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"Tierisch
und ledrige" Aromen können einerseits Bestandteil eines Rebsorten- oder
Assemblagen-spezifischen Aromakomplexes sein; beispielsweise enthält das Bouquet
einer reifen Syrah animalische Töne (bis hin zu Noten, die an Wild oder
Innereien etc. mahnen), Sangiovese erinnert oft mehr oder weniger intensiv an
Pferdesattel und Mischungen aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc sowie ev.
weiteren Sorten können, je nach Terroir, ebenfalls tierische Geruchskomponenten
aufweisen. Andererseits werden solche Aromen gebildet beziehungsweise verstärkt
durch Fassausbau (wenn nicht die Röstaromen von viel Neuholz zu sehr dominieren)
und durch längere Flaschenreife.
Ganz eindeutig begünstigt Fassausbau die Ausprägung der animalisch-ledrigen
Aromabestandteile im Weinbouquet. Das Phänomen wird umso deutlicher, eventuell
sogar intensiv bis ins Fehlerhafte, wenn gebrauchte Fässer (Barriques, aber auch
grössere Eichenfässer)benutzt werden. In wiederholt befüllten Fässern setzen
sich Weinreste in den Ritzen zwischen den Fassdauben fest und können auch bei
guter Fassreinigung nur teilweise entfernt werden. Das Problem würde sich bei
mangelhafter Fasspflege zudem noch potenzieren. Neue Fässer hingegen führen kaum
bzw. nur unwesentlich zur Bildung oder Intensivierung animalischer Töne.
Allerdings gibt es unter den neuen Fässern gewisse Herkunftsgebiete, welche die
Tendenz, animalische Noten herauszukristallisieren, vermehrt zeigen.
Tierische Noten im Wein sind nicht grundsätzlich etwas Negatives. Es sei denn,
sie wirken aufdringlich oder passen resp. "gehören" nicht zum Weintyp (denn
natürlich hat Pferdegeruch z.B. in einem Waadtländer Chasselas nichts verloren).
Solche Weinaromen sind letztlich auch Geschmackssache und werden nicht von allen
Konsumenten gleichermassen geschätzt. Leute, die generell fruchtbetonte Weine
bevorzugen, werden einen reifen Wein aus Cornas (nördl. franz. Rhonetal) oder
einen entwickelten St-Emilion vielleicht ablehnen, nur weil ihnen die Aromatik
aus rein persönlichen Motiven widerstrebt.
 
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