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Das
"Schönen" ist eine seit Urzeiten bekannte, traditionelle
Methode zur Klärung - und heute vor allem zur Stabilisierung - von Wein. Oft wird
auch der Ausdruck Feinen verwendet. Bereits den Römern war die
Wirkung von aufgeschlagenem Eiweiss bekannt. Im Mittelalter wurden oft Verfahren
angewendet, die uns heute sehr fragwürdig erscheinen – zum Beispiel mit
Rinderblut. Im berühmten Klassiker „Von Baw, Pfleg und Brauch des Weins“ des
Johann Rasch (1540-1612) werden einige Techniken ausführlich beschrieben. Unter
anderem erläutert er, wie man einen trüben Wein wieder zurechtbringt - nämlich
durch Zugabe von frisch gemolkener, noch kuhwarmer Milch. Man wusste auch schon,
dass bestimmte Stoffe wie Hausenblase (gereinigte und getrocknete Schwimmblase
des Hausen, Stör oder Wels), Gelatine, Spanische Erde (Kaolinerde) und Kohle
Schwebeteilchen im Wein an sich binden und dann zum Fassboden sinken.
Die Trubpartikelchen im Wein sind polar -
das heißt entweder elektrisch negativ (z. B. Hefen und Tannine) oder positiv (z.
B. Eiweissstoffe und Gelatine). Die Klärsubstanz muss entgegengesetzt geladen
sein, um die Partikelchen an sich zu binden (auszuflocken).
Das Schönen dient auch dazu, um Wein-Fehler bestenfalls zu verhindern oder
zumindest zu beseitigen. Dabei werden physikalisch-chemische Trübungen oder
Fehltöne (Eiweißstoffe, Gerbstoffe, Kristalle, Metalle), biologische Trübungen
(Hefen, Bakterien) oder sonstige Stoffe (Staub, Filtermaterial, Korkabrieb) aus
dem Wein entfernt. Am besten funktioniert dies bei Weinen mit hohem Säuregehalt
und optimal für viele Schönungsmittel ist eine Temperatur zwischen 10 und 20
°Celsius. Mikroskopisch kleinste Teilchen können unter Umständen durch diese
Methoden nicht erfasst werden, diese entfernt man (gegebenenfalls nachträglich)
durch die alternativen Techniken Filtration, Flotation und Zentrifugieren. Im
allgemeinen wird unter Schönen die Zugabe von Stoffen zum frisch vergorenen Wein
verstanden, die durch chemische Reaktionen oder Oberflächenanziehung
(Adsorption) unerwünschte Schwebstoffe binden lassen und mit ihnen zu Boden
sinken. Durch Abstechen (Umfüllen in anderen Behälter) wird der Wein danach vom
Schönungstrub getrennt. Es gibt folgende Verfahren:
Blauschönung: Verschiedene Eisen-Verbindungen können durch (nicht aus
Edelstahl gefertigte) Armaturen, Pumpen und Filter in den Wein geraten und
Wein-Fehler wie zum Beispiel Weißer Bruch und Schwarzer Bruch verursachen. Durch
Zugabe von gelbem Blutlaugensalz werden Kupfer- und Eisen-Verbindungen in eine
unlösliche, blaue Substanz umgewandelt, die sich am Boden absetzt und dann
entfernt wird. Entdeckt wurde das Verfahren im Jahre 1903 vom deutschen
Wein-Chemiker Dr. Wilhelm Möslinger
(1856-1930), deshalb nennt man die Blauschönung auch "Möslinger-Schönung". Es
wird damit auch der Wein-Fehler Frostgeschmack bekämpft. Das Verfahren ist
genehmigungspflichtig und darf nur von befugten Personen durchgeführt werden, da
speziell in Gegenwart von Säuren und bei Erhitzung hochgiftige Substanzen wie
Blausäure entstehen können.
Eiklarschönung: Das wahrscheinlich älteste Verfahren wird vor allem bei
Rotweinen oder tanninhaltigen Weinen durchgeführt, um den Gerbstoff zu
vermindern und damit den Wein milder zu machen. Dem Wein wird Eiklar zugegeben,
bereits ein bis drei Hühnereiweiß genügen per Hektoliter. Der Wirkstoff ist
Albumin, der mit den Gerbstoffen einen feinkörnigen Niederschlag bildet (eine
ähnliche Wirkung erreichte man früher mit Rinderblut). Eiweiß
greift den Wein zwar nicht an, wirkt aber etwas entfärbend.
Eiweißstabilisierung: Der Gehalt an Eiweiss im Wein
kann durch einen Bentotest festgestellt werden. In größeren Mengen verursachen
diese Stoffe schleierartige, graue Trübungen. Sie werden mit Bentonit oder beim
Rotwein mit frisch geschlagenem Hühnereiweiß entfernt. Auch der Gehalt an Histamin im Rotwein
wird dadurch vermindert.
Gelatineschönung: Wird aus den Kollagen von Knochen, Knorpeln, Häuten und
ähnlichem gewonnen. Die Wirkung ist ähnlich der Hausenblase. Damit werden zu
hohe Gerbstoffanteile sowie Geruchs- oder Geschmacksfehler beseitigt und kann
auch zur Farbkorrektur herangezogen werden. Die Anwendung findet auch in
Kombination mit
Aktivkohle,
Kieselsol und Tannin
statt. Die Gelatine
bildet einen flockigen Niederschlag, der mittels Filtration abgetrennt werden
kann. Die Dosierung liegt zwischen 5 und 30 Gramm per Hektoliter, die genaue
Menge muss in Vorversuchen ermittelt werden.
Gerbstoffminderung: Durch zuviele Farbstoffe (so genannte Hochfärbigkeit)
und Gerbstoffe kann ein Wein bitter und kratzig wirken. Dagegen werden
eiweißhältige Stoffe (siehe Eiklarschönung) sowie PVPP (Polyvinylpolypyrrolidon)
eingesetzt.
Hausenblasenschönung: Ein älteres Verfahren (vor der Entwicklung der
Filtrations-Technik), um einen Wein vor der Flaschen-Abfüllung mittels Hausenblase
glanzhell zu machen. Heute erfolgt der Einsatz für das Entfernen von Mufftönen
oder in Form von Misch-Produkten mit anderen Mitteln (Hausenblase, Gelatine,
Milcheiweiß) für das Ausflocken und Absetzen.
Hefeschönung: Damit erfolgt ein Auffrischen von alten und müden Weinen
mit einem Alterston
und auch die Beseitigung kleinerer Geruchs- und Geschmacksfehler. Es wird dazu
ein frisches Geläger
(unmittelbar nach dem Gärungsende) verwendet.
Kaltstabilisierung: Das Verfahren (auch Weinstein-Stabilisierung genannt)
erfolgt vor der
Flaschen-Abfüllung, um überschüssigen Weinstein
auszufällen (dabei kann aber auch der Extrakt-Gehalt vermindert werden). Der
Wein wird ein paar Tage bis zu einer Woche lang auf ca. minus 4 °Celsius
gekühlt. Dies erfolgt durch verschiedene Verfahren wie zum Beispiel Raumkühlung,
in Tanks mit Kühlsole, Kühlspiralen oder Durchlaufkühler. Die
Weinstein-Kristalle fallen dabei rasch aus und sinken zu Boden. Gegebenenfalls
muss nachher noch eine Filtration durchgeführt werden.
Kohleschönung: Wird sowohl im Most als auch im Wein mit Aktivkohle (siehe
dort) durchgeführt, um Farb-, Geruchs- oder Geschmacks-Fehler zu beseitigen. Das
Verfahren ist ein probates Mittel gegen zahlreiche Wein-Fehler. Die
Qualität kann dabei aber auch negativ beeinflusst werden, weil dem Wein bei zu
starker Zugabe Geruchs-, Geschmacks- und Farbstoffe in gravierendem Ausmaß
entzogen werden. Deshalb ist eine genau begrenzte und gezielte Dosierung
erforderlich. Das Pulver wird in den Wein eingerührt, das Absetzen dauert
geraume Zeit.
Kupferschönung: Mit Kupfersulfat
(siehe dort) und Kupferzitrat wird versucht, den gefürchteten Weinfehler Böckser zu entfernen.
Danach muss zumeist eine Blauschönung (siehe oben) erfolgen.
Selbstklärung: Bei dieser ältesten Form der Weinklärung wird ohne Zutun
auf das Absetzenlassen der Trubteilchen gewartet. Dies funktioniert besonders
bei säurehaltigen Weinen gut, dauert aber oft mehrere Monate. Die Selbstklärung
darf nicht mit dem
Entschleimen des frisch gepressten Mostes verwechselt werden.
(Teilweise aus wein-plus.de übernommen)
 
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