Madeira-Wein, die Geheimnisse 
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Eine Flasche Madeira für 22.000 US Dollars
Madeira-Wein kann sehr wertvoll werden: so wurde eine Flasche Madeira-Wein berühmt, weil sie im Auktionshaus Sotheby’s in New York am 10 Mai 1997 für rund 22.000 Dollar ersteigert wurde. Es handelte sich um einen Madeira-Wein aus dem Jahr 1800, der einst im Besitz von Thomas Jefferson war. Zur Versteigerung gebracht wurde die Flasche von Barrie Larvin, dem Besitzer des Hotel Casino Rio de Las Vegas.
Geographie und Geschichte
Madeira gehört zu Portugal und liegt im Atlantischen Ozean 32º38' W und 16º54' W von Greenwich. Das sind 545 km von Nordafrika in Höhe von Casablanca und ca. 1000 km - 1,5 Flugstunden - von Lissabon in Portugal und somit nur etwa vier Flugstunden von Zürich entfernt. Zum Archipel gehören die Inseln Madeira, Porto Santo, Desertas und Selvagens. Die beiden letzteren sind unbewohnt und bedeutende Naturschutzgebiete. Hauptstadt ist Funchal auf der Insel Madeira und insgesamt zählt der ganze Archipel knapp 250.000 Einwohner.
Die ersten Weinreben wurden wahrscheinlich schon im 15. Jh. auf die Initiative von Heinrich dem Seefahrer nach Madeira gebracht. Im Jahr 1478 wurde Herzog Georg, der Bruder des englischen Königs Eduard IV. (1442-1483), wegen konspirativer Tätigkeit zum Tod verurteilt. Man überliess ihm die Wahl der Hinrichtungsart und er entschied sich für den Tod durch Ertrinken in einem mit Madeira gefüllten Fass. Der Nachweis für die Existenz der Madeira-Weine war auf etwas makabre Art erbracht.
Der Madeira-Wein
Der Madeira-Wein mit seinem
einzigartigen Geschmack ist auf keinen Fall mit Port-Wein zu verwechseln! Durch
die spezielle Produktionsweise entsteht ein typischer Weincharakter
Bei den ersten Exporten stellte
man fest, dass der Madeirawein am Zielort wesentlich besser schmeckte als auf
Madeira selber. Ähnliches erfuhr man auch beim süssen Muskateller der Region
Setúbal. Man glaubte, dass alleine die Schaukelbewegungen der Schiffe den
Qualitätsunterschied verursachten. Viele Boote wurden mit Wein beladen und bis
nach Ostindien und zurück geschickt. Die Weine überquerten damit zweimal den
Äquator, absolvierten eine Rundreise oder auf portugiesisch "Torna Viagem". Dieser Begriff ist auch auf alten Madeiraflaschen auf dem Etikett
ersichtlich
(Kurzbezeichnung VDE). Später baute man auf Madeira Schaukel-Vorrichtungen aber
das Resultat war nicht befriedigend. Erst Temperaturmessungen auf einer der
nächsten Äquatorüberquerungen bei tropischer Hitze brachten die richtigen
Antworten und führten zu der Verarbeitungsmethode "Maderisierung". Damit dieser aussergewöhnliche Wein auf
der langen Schiffsreise seine Qualität nicht verlor, wurde er
Insgesamt werden jährlich ca. 4 Mio l Wein
exportiert. Davon gehen ca. 545.000 l nach Deutschland, rund 27.000 l
nach Oesterreich und nur bescheidene ca. 450 l in die Schweiz. Nicht
berücksichtigt in dieser Statistik sind natürlich die vielen Flaschen, die durch
Touristen selbst nach Hause gebracht werden. Die traditionellen fünf edlen Rebsorten, aus denen heute die besten und teuersten Weine reinsortig (zumindest zu 85%) produziert werden, sind Boal (hier Bual), Malvasia (hier Malmsey), Sercial, Verdelho und in ganz kleinen Mengen die schon legendäre Terrantez.
Auf den insgesamt rund 2.100 Hektar Rebfläche dominiert aber mit 80% die Tinta Negra Mole, die zur Erzeugung billigerer und einfacherer Madeiras verwendet wird. Diese Rebsorte darf aber seit 1993 nicht mehr auf dem Flaschen-Etikett erscheinen. Diese Madeiras werden nur noch mit dem Süssigkeitsgrad bezeichnet (seco, meio seco, meio doce und doce – ergänzt durch pale=hell und dark=dunkel).
Das Instituto Do Vinho Da Madeira - das Wein-Institut von Madeira - ist sehr streng in der Vergabe des Titels Madeira-Wein. Hier finden Sie den Direktlink zu diesem Institut, das übrigens ein eigenes Weinmuseum führt...
Einige der famosen Madeira vintages
vor dem Jahr 1900 waren 1789, 1795, 1806,
1808, 1815, 1822, 1836, 1844, 1846, 1851, 1862, 1865, 1868, 1870 and 1880.
Einige der nach 1900 sind 1900, 1902, 1905, 1906, 1907, 1910, 1914,
1915, 1916, 1920, 1926, 1934, 1940, 1941, 1950, 1954 und 1956.
Sehenswürdigkeiten in Funchal
Madeira und George Washington
Im 17. Jahrhundert kam der
Madeira besonders an der Ostküste Amerikas in Mode. Es ist zum Beispiel
überliefert, dass der erste amerikanische Präsident, George Washington (Bild
links),
Ward McAllister beschrieb in einem Buch 1890 folgendes dazu: "Afternoon wine parties were the custom. You were asked to come and taste Madeira, at 5 p.m., after your dinner. The hour of dining in these cities was then always 3 p.m. The mahogany table, which reflected your face, was set with finger bowls, with four pipe-stem glasses in each bowl, olives, parched ground nuts and almonds and half a dozen bottles of Madeira. There you sat, tasted and commented on these wines for an hour or more."
Das Geheimnis der Madeira - Herstellung
In 25.000-Liter-Behältern aus
Holz oder beschichtetem Beton erfolgt die Gärung bei Malvasia- und Boaltrauben
zumeist mittels Maische-Gärung. Die gerebelte Maische wird bei optimaler
Temperatur (ca. 25 °C) zur Gärung gebracht. Bei Sercial und Verdelho wird der
Most vorher von seinen Schalen getrennt und sie werden meist trocken ausgegoren.
Bei Weinen aus Malvasia erfolgt schon frühzeitig und bei jenen aus Boal nach
Hälfte der Gärung ein Abstoppen durch hochprozentigen Branntwein (Aguardente).
Die Herstellungstechnik Estufagem wurde oben schon kurz beschrieben. Das ist die
Erhitzung des Weines, der er früher auf den Schiffsreisen über den Äqutor in
natürlicher Form ausgesetzt war. Für die Massen-Produktion werden dazu riesige,
gekachelte Betontanks mit 20.000 bis 50.000 Liter
In allen Fällen wird durch das Erwärmen der enthaltene Zucker teilweise karamellisiert. Der Wein bekommt den typischen Geschmack und durch starke Oxidation den Maderisierungs-Ton. Nach dem Estufagem muss der Wein vorsichtig abgekühlt werden. Das Alter der Weine wird ab Ende der Estufagem-Phase berechnet.
Je Form der Gärung werden manche Weine zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal gespritet, bei süss ausgebauten kann dies schon zum zweiten oder dritten mal Mal sein. Dadurch wird ein Alkohol-Gehalt von rund 17% vol erreicht. Bei den besseren Weinen erfolgt die Süssung durch die Gärungs-Unterbrechung, bei den billigeren wird verdickter Vinho Surdo (Süssmost) nach der Gärung zugesetzt und farblich durch Zusatz von Karamell korrigiert. Nach dem Schönen oder einer Filtration ruht der Wein 12 bis 18 Monate und wird anschliessend entsprechend der vorgesehenen Qualität eingestuft. Nach dem Abstechen in Holzfässer erfolgt die weitere Reifung. Ab Estufagem sind dies zumindest drei Jahre (z.B. die einfachen aus Tinta Negra Mole). Sie werden mit „Finest“ oder „3-Year-Old Madeira“ bezeichnet. Das Mindestalter für Weine aus den edlen Sorten ist fünf Jahre. Sie tragen die Bezeichnung „Reserve“ oder „5-Year-Old Madeira“. Ab „Special Reserve“ oder „10-Year-Old Madeira“ beginnen die „guten“ Weine. Die nächste Alterungs-Stufe ist „Extra Reserve“ oder „Over 15-Years-Old Madeira“. Die Spitzen-Produkte sind die „Vintage Madeira“, die zumindest 20, aber auch 30 bis 50 Jahre lang reifen.
Bei allen Varianten ist ein
Madeira sofort trinkfertig und geniessbar, wenn er in den Verkauf kommt. Er
lagert davor nochmals mindestens zwei Jahre in der Flasche. Madeira entwickelt
(zum Beispiel gegenüber Portwein) viel weniger Depot, ein Dekantieren muss (wenn
überhaupt) nur bei sehr alten Weinen erfolgen. Die bekannten Madeira-Häuser Während des 20. Jahrhunderts
vereinigten sich viele bekannte Madeira-Weinhändler, wie Blandy, Cossart Gordon, Leacock
und
Rutherford & Miles, zu der Madeira Wine Company.
Möchten Sie mehr über Blandys und ihre Geschichte erfahren? http://www.blandys.com/chart.htm Zu den bekanntesten Madeira-Produzenten bzw. Handels-Häusern zählen auch Barbeito (mehrheitlich japanischer Besitz), Borges, Barros e Sousa, Henriques & Henriques. Spitzenmarken sind Blandy, Cossart Gordon, Duke of Clarence Rich Madeira und Leacock), Miles (berühmt durch die Marke Old Trinity House Medium Rich), Pereira d´Oliveira Vinhos und Silva Vinhos.
Die bekanten Madeira-Stile Es gibt
drei verschiedene Madeira-Typen: Der Sercial ist hellfarben und trocken, der
Verdelho halbsüss, Bual und Malmsey dagegen süss. Von den
verschiedenen Madeira-Stilen führen wir nachstehend zur Information auch jene
auf, die nicht mehr erzeugt werden. Auf Grund der langen Haltbarkeit sind sie
teilweise noch erhältlich:
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