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Republik Georgien. Hauptstadt: Tiflis. Fläche 69'700
km2. Einwohner: 5,1 Mio. Das Landschaftsbild
Georgiens ist durch zerklüftete, größtenteils bewaldete Bergketten
gekennzeichnet. Der Hauptkamm des Kaukasus nimmt den größten Teil der Nordgrenze
der Republik ein. Hier befinden sich auch die höchsten Erhebungen des Landes. Im
südlichen Teil Georgien befindet sich der Kleiner Kaukasus. Das Gebiet zwischen
diesen beiden Systemen liegt größtenteils sehr viel tiefer und wird durch
Flusstäler und die Küste des Schwarzen Meeres geprägt.
Trotz der verhältnismäßig geringen Größe des Landes weist das Klima von Region
zu Region starke Unterschiede auf. Es reicht von sehr humiden und subtropischen
Bedingungen in der Kolchis bis hin zu trockeneren, eher kontinentalen
Klimaverhältnissen im östlichen Hochland.
Unter dem windschützenden Einfluss des Kaukasus gibt es für den Weinbau ideale
klimatische Verhältnisse.
Das Weinland Georgien
Der ehemalige UdSSR-Staat in Transkaukasien zählt zu
den ältesten Weinbauländern der Erde und ist eines der Ursprungs-Gebiete des
Weinbaus und der kultivierten Weinrebe. Nirgendwo wird der Kult um den Wein so
weit getrieben wie in Georgien, wo selbst die Grabsteine der Nationalhelden die
Form von Reben und Trauben haben. Wenn Georgier eine Hochzeit feiern, muss der
Brautvater mindestens fünfhundert bis tausend Liter Wein in Reserve haben.
In Georgien wurden fünftausend Jahre
alte Tonkrüge mit Traubenkernen der weissen Sorte Rkatsiteli gefunden. Im Museum
der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi) befindet sich ein mit Silber überzogenes,
kurzes Stück Rebenholz, das in Trialeti einer Ortschaft südlich von Tsalka gefunden
wurde. Man nimmt an, dass es aus 3.000 v. Chr. stammt. Die Archäologie hat
viele Beweise
zutage gefördert, dass Weinbau und der Weingenuss ein fester Bestandteil der georgischen
Kultur war. Das traditionelle Kreuz der Georgischen Orthodoxen Kirche besteht
aus Weinreben, die mit dem Haar des heiligen Nino verwoben sind, der im 4.
Jahrhundert das Christentum nach Georgien brachte. Ornamente mit
fruchtbehangenen Reben finden sich auf den Wänden von Tempeln in Samtavisi,
Ikalto, Gelati, Nikortsminda, Vardzia und Zarmza. Auch der Thron des Patriarchen
im Alawerdi-Kloster aus dem 11. Jahrhundert ist - selbstverständlich - mit
Trauben geschmückt.
Zahlreiche über 5000 Jahre alte Kerne, Werkzeuge und Gefässe wurden in Mukheta, Trialeti und Pitsunda
sowie im Alazan-Tal ausgegraben. In einem Gedicht des griechischen
Gelehrten und Epikers Apollonius von Rhodos (3. Jh. v. Chr.) – dem Bibliothekar
der berühmten Bibliothek in Alexandria - heisst es in seinem Werk „Argonautica“,
dass die Argonauten (Helden der griechischen Mythologie unter Führung von Jason,
der das Goldene Vlies eroberte) bei Ihrer Ankunft in der Hauptstadt Kolchis
rankende Reben am Eingang des Königspalasts und einen Brunnen mit Wein im
Schatten der Bäume gesehen hätten.
Lange hatte der Wein in der Wirtschaft Georgiens
grosse Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Rebfläche
über 70.000 Hektar ein, doch durch Pilzkrankheiten und die Reblaus wurde sie bis
zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Hälfte verringert. Zur Wiederherstellung
der vernichteten Weinberge wurden reblausfeste Unterlagen importiert. Im Jahr
2000 betrug die Rebfläche wieder 67.000 Hektar, von der 750.000 Hektoliter Wein
produziert wurden.
Wildreben sind in Georgien noch stark verbreitet; hier ist
die Vitis vinifera mit der Subspezies silvestris noch heute vertreten. Durch
natürliche und künstliche Selektion sind aus ihnen über 500 autochthone
Rebsorten entstanden. 38 Rebsorten sind offiziell für den kommerziellen
Weinbau zugelassen. Dazu zählen zum Beispiel Aladasturi, Aleksandrouli,
Katschitschi, Krachuna, Mudshuretuli, Mtsvane, Odshaleschi, Orbeluri, Rkatsiteli,
Saperavi, Tsitska, Tsolikouri und Ussachelouri. Weit verbreitet ist auch die
Isabella. Die europäischen Sorten Aligoté, Cabernet Sauvignon, Chardonnay und
Pinot Noir sind bereits etabliert. Die berühmteste Rebschule des Landes befindet
sich in Sakar im Westen des Landes.
Von den fünf Weinbau-Regionen ist Kachetien im Südosten in den Tälern von Alazani und Iori die bedeutendste. Das
Klima ist hier gemäßigt, die Temperatur liegt zwischen 38 bis 40 °C, der
durchschnittliche Jahresniederschlag bei 400 bis 800 Millimeter. Es kommen
Zimtbaumwälder und kalkhaltige Böden vor, teilweise auch Schwemmlandböden. Hier
wachsen 70% der Trauben für Wein und Destillate. Kachetien wird in drei
Anbaugebiete und über 25 Unterbereiche eingeteilt, das sind zum Beispiel Akhmeta,
Kvarelo-Kindzmarauli, Manavi, Napareuli und Zinandali.
Die Region Kartli befindet sich in einem großem Gebiet im Kura-Tal und
umschließt die Tiefländer Gori und Mukhran. Hier entstehen Weine europäischen
Stils sowie die Grundweine für Schaumwein und Branntwein, die 15% der
georgischen Produktion ausmachen. Hier ist es mäßig warm, die Sommer sind heiß
und trocken. Auf Grund geringer Niederschläge (350 bis 500 mm im
Jahres-Durchschnitt) muss eine künstliche Bewässerung erfolgen. In dieser Region
liegt auch die Hauptstadt Tiflis mit ihren riesigen Schaumwein-Kellereien und
Destillerien. Die im Jahre 1897 gegründete älteste Kellerei in Tiflis verfügt
über eine einzigartige Weinsammlung mit etwa 1.600 Weinen (rund 150.000
Flaschen), unter denen sich auch sehr alte ausländische Produkte befinden, zum
Beispiel Cognac von 1811, Madeira und Marsala von 1822, Sherry von 1848 sowie
Tokajer von 1846. Die Region Imeretien liegt im östlichen Teil von West-Georgien
in den Tälern und Schluchten der Flüsse Rioni, Kvirila und anderer. Die
besondere Rebsorte dieser Region ist die weiße Tsitska. Die Region
Rach-Lechkhumi, liegt nördlich von Imeretien an den Ufern der Flüsse Rioni und
Tskhenistskali. Mäßige Niederschlags-Mengen (1000 bis 1300 mm im Jahr), Südlagen
und eine Reihe von autochthonen Rebsorten erbringen Trauben mit einem
Zuckergehalt von bis zu 30%. Der fünfte Bereich umfasst Abchasien, Adscharien,
Guria und Megrelia, im feuchten subtropischen Klima werden vor allem Süßweine
produziert.
Vielfach angewendet wird immer noch die uralte, seit tausenden von Jahren
praktizierte Form der speziellen georgischen Weinherstellung, das so genannte
Imeretische und Kachetische Verfahren. Diese Weine mundeten dem berühmten
Dichter Alexander S. Puschkin (1799-1837) besser als Burgunder. Neben Rot- und
Weißweinen aus den einheimischen und europäischen Vinifera-Sorten werden große
Mengen gespritete, süße Likörweine und Schaumweine erzeugt. Georgien gilt als
bestes Rotweinland der ehemaligen UdSSR (siehe auch unter Russland). Sehr
bekannte Weine sind Achascheni (rot), Anaga (weiß), Chwantschkara (rot),
Kachetinskoje (weiß), Kardanachi (weiß), Mukusani (rot), Napareuli (rot, weiß),
Salchino (rot), Teliani (rot) und Zinandali (weiß).
 
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