Languedoc-Roussillon -

und seine Weingebiete

 

 

Gemeinsame Bezeichnung für die beiden aneinander grenzenden Weinbau-Regionen im Süden Frankreichs mit insgesamt 400.000 Hektar Rebfläche – das sind weit über 40%. Rund 200 Kilometer lang erstreckt sich ein breiter Streifen entlang der Mittelmeerküste in einem großem Bogen von der alten Hafenstadt Marseille bis an die spanische Grenze am Fuße der Pyrenäen. Im Norden liegt der Bereich Languedoc (langue d´oc = sinngemäß "gemeinsame Sprache") mit dem Hauptort Montpellier (Hauptstadt von Hérault). Er setzt sich aus den drei Départements Gard, Hérault und Aude zusammen. Schon vor über 2.000 Jahren wurde hier durch die Römer die Basis für die französische Weinkultur gelegt und im 2. Jahrhundert v. Chr. die ersten Weingärten Frankreichs im Bereich der heutigen Appellationen Corbières und Minervois angelegt. Vom Hafen Narbonne in der Provinz Gallia Narbonensis (nach der die Stadt und Weinhandels-Zentrum Narbonne benannt ist) aus wurde der Wein bis Carcassonne geschifft, über Land bis zur Garonne transoprtiert und dann wieder auf dem Flussweg zu den Legionären nach Aquitanien (Südwestfrankreich) gebracht. Wein wurde aber auch bis Rom exportiert und der römische Autor Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) schwärmte schon vom Muskateller. Durch das berühmte Edikt von Kaiser Domitian (51-96) im Jahre 92 n. Chr. erfuhr der Weinbau einen Niedergang und kam erst im Mittelalter durch die katholischen Klöster wieder zur Blüte.

Der Bereich Roussillon (mit 80.000 Hektar) im Süden mit der Hauptstadt Perpignan im Département Pyrénées-Orientales wird oft als Anhängsel genannt, hat aber eine eigene Geschichte. Der Weinbau wurde von griechischen Kolonisten im 7. Jahrhundert v. Chr. in Marseille (röm. Massilia) initiiert und später von den Römern weiterentwickelt. Hier wurden die ersten Muskateller-Trauben kultiviert, die als Basis für die berühmten, gespriteten Süßweine verwendet wurden. Als Erfinder des heute so bezeichneten Vin doux naturel gilt der berühmte Arzt Arnaldus de Villanova. Diese Weine waren schon im 14. Jahrhundert bekannt und Roussillon zum Zentrum und wichtigsten Erzeuger. Vier Jahrhunderte lang war das Gebiet ein Teil des Königreiches Mallorca und kam erst im Jahre 1659 zu Frankreich. Die Weinbaugeschichte ist deshalb auch von spanischem Einfluss geprägt. Nach spanischem Vorbild darf in den Rotweinen bis zu 10% die weiße Rebsorte Macabeo verwendet werden. Wie im Languedoc ist auch hier die Macération carbonique (Kohlensäure-Maischung) üblich. Die Weine sind auf Grund verschiedener Bedingungen (Nähe zum Mittelmeer, Höhenlagen und Bodentypen) sehr unterschiedlich, jedoch durch das gleichmässige mediterrane Klima - das wärmste Frankreichs - geprägt. Es ist hauptsächlich ein Rotwein- und Rosé-Gebiet, die Rotweine werden vor allem aus Carignan (50% der Rebfläche), Cabernet Sauvignon, Grenache und Merlot, die stillen Weißweine aus Muscat-Spielarten, Bourboulenc, Clairette, Grenache Blanc, Marsanne, Picpoul und Roussanne sowie die Schaumweine aus Chardonnay, Chenin Blanc und Mauzac gekeltert (siehe auch unter Rhône-Rezept). Schon lange vor dem Champagner wurde ein perlender Schaumwein hergestellt, der Blanquette de Limoux. 1987 wurde als regionale Spezialität von einer heute über 1.000 Betriebe umfassenden Winzer-Vereinigung der Landwein "Vin de Pays d´Oc" kreiert (siehe unter Vin de Pays). Die Regionen Languedoc und Roussillon werden gemeinsam mit der Provence als Midi bezeichnet.