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Es gibt keine für alle Bereiche bzw. Appellationen
geltende Bordeaux-Klassifizierung. Innerhalb des offiziellen, vom staatlichen
Institut INAO definierten Appellations-Systems (siehe unter AC = Appellation
Contrôlée) gibt es nicht-amtliche Klassen für Weine bzw. Weingüter, die hier
fast ausschließlich als Château bezeichnet werden (siehe dazu auch unter Cru und
Cru classé). Diese sind je nach Bereich unterschiedlich in der Crus-Bezeichnung
und auch in der Anzahl der Crus-Stufen, was gegenüber der zentral organisierten
und für alle dortigen Appellationen geltenden Burgund-Klassifizierung etwas
verwirrend ist. Im allgemeinen versteht man unter dem Begriff
„Bordeaux-Klassifizierung“ die berühmte Cru-Classé-Definition für Châteaux aus
dem Jahre 1855 für die beiden Bereiche Médoc (wobei hier interessanterweise auch
ein einziges Château außerhalb des Médoc dabei ist) und Sauternes innerhalb der
Region Bordeaux. Erst viel später wurden auch Klassifizierungs-Systeme für
Graves (erstmals 1953) und Saint-Émilion (erstmals 1955) geschaffen. Seit dem
Jahre 1855 gab es in Médoc nur eine einzige Änderung (Umstufung eines Weingutes)
und in Sauternes einige Veränderungen durch Besitzwechsel. Bei Graves und
Saint-Émilion werden in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen
Aktualisierungen und auch Änderungen in der Einstufung vorgenommen.
Médoc-System: Im Jahre 1855 fand unter der Ägide von Napoleon III. (1808-1873)
die Weltausstellung in Paris statt. Im Vorfeld gab der Kaiser den Auftrag, die
Weine in Bordeaux zu klassifizieren. Dies wurde den Weinmaklern vom "Syndicat
des courtiers de commerce de Bordeaux" anvertraut. Sie wählten jene Weine aus,
die in den letzten 100 Jahren die besten Verkaufspreise erzielt hatten. Dazu
berücksichtigten sie noch die Reputation der Häuser und den damaligen
Besitzstand. Das System war nichts grundlegend Neues, denn ähnliche
Rangordnungen gab es inoffiziell schon längere Zeit, insgesamt sind über 25
verschiedene vor dem Jahre 1855 bekannt. Aus insgesamt 4.000 Bordeaux-Weinen
wurden nur 61 Hochgewächse (Grand Cru) bzw. Châteaux als würdig befunden, in
diese Liste aufgenommen zu werden. Mit der einzigen Ausnahme Château Haut-Brion
(Graves) sind nur Châteaux aus dem Médoc enthalten. Gegenüber der Liste von 1855
gab es zwei Änderungen im Laufe der Zeit. Damals gab es nur ein Château
Batailley, dieses wurde 1942 geteilt und der kleinere Teil Château
Haut-Batailley genannt. In der Liste von 1855 schienen zwei Saint-Pierre-Güter
auf, nämlich ein Château Saint-Pierre-Sevaistre und ein Château
Saint-Pierre-Bontemps. Zweiters gibt es heute nicht mehr, dadurch ist es bei 61
geblieben. Eine schöne Geschichte gibt es über das Château Cantemerle, auf das
man fast vergessen hatte und vor der entscheidenden Parlaments-Sitzung in
Bordeaux in der Liste noch rasch hinzufügte (siehe dazu unter Médoc).
Das System besteht aus fünf Stufen, wobei diese Rangordnung auf dem Etikett eher
selten angeführt wird, sondern zumeist der allgemeine Text "Grand Cru Classé"
aufscheint. Innerhalb der fünf Klassen gibt es keine Rangordnung. Bis dato wurde
nur eine einzige Änderung vorgenommen. Baron Philippe de Rothschild (1902-1988)
hatte sich sein Leben lang bemüht, sein Château Mouton-Rothschild vom zweiten in
den ersten Rang zu bringen, was ihm 1973 endlich gelang. Mit dem (inoffiziellen)
Begriff "Super-Seconds" werden jene Deuxièmes-Châteaux bezeichnet, die nahe oder
auf Premier Cru Niveau sind. Die komplette Aufstellung dieser 61 Crus/Châteaux
ist unter Médoc enthalten. Die Bezeichnung Cru Classé wird im allgemeinen genau
für diese Weingüter verwendet.
* Premier Cru Classé (5)
* Deuxiéme Cru Classé (14)
* Troisième Cru Classé (14)
* Quatrième Cru Classé (10)
* Cinquième Cru Classé (18)
Crus Bourgeois: Neben der Cru Classé wurde als Stufe unter den
"aristokratischen" Weingütern eine "bürgerliche Klasse" geschaffen. Sie
beschränkt sich auf deren Mitglieder, heute etwa 300 mit rund 7.000 Hektar
Rebfläche. Im Zeitraum von 1930 bis 1932 unternahm eine Experten-Kommission
unter der Aufsicht der Bordelaiser Handelskammer und der Landwirtschafts-Kammer
der Gironde eine erste Klassifizierung von 444 Gütern des Médoc - das war
sozusagen die Geburtsstunde. Im Jahre 1976 wurde "Cru Bourgeois" auch von der EU
anerkannt. 1989 legte der 1962 gegründete "Verband der Crus Bourgeois" die
Regeln fest. Die Weine müssen aus einer der acht Médoc-Appellationen stammen,
das Weingut zumindest sieben Hektar bewirtschaften und der Wein in einem
Privatkeller bereitet und ausgebaut werden. Jährlich wird bei einem Wettbewerb
das beste Châteaux ausgewählt und der Name auf einer riesigen Schale (dem
„Coupe“; siehe auch unter Mire-Vin) eingraviert. Diese wird immer an den Sieger
weitergegeben.
Innerhalb der Cru Bourgeois gibt es die drei Stufen "Cru Exeptionnel" (auch Cru
Grand Bourgeois Exeptionnel), "Cru Grand Bourgeois" und "Cru Bourgeois". Von der
EU wird jedoch nur "Cru Bourgeois" anerkannt. Die Bourgeois-Weine bedeuten nicht
zwangsläufig eine schlechtere Qualität als die Cru Classé, sondern es kommt
durchaus vor, dass sie deren Niveau (sowohl in der Qualität als auch im Preis)
erreichen oder sogar übertreffen. Hauptsächlich bildet die Rebsorte Cabernet
Sauvignon die Basis, ergänzt durch einen (manchesmal recht hohen) Anteil an
Merlot und etwas Cabernet Franc. Die besten Bourgeois-Weine werden in Barrique
ausgebaut und sind nach vier bis acht Jahren genussreif. Die größten Mengen der
Bourgeois-Weine werden in den Gemeinden Moulis und Listrac erzeugt, wo sie rund
zwei Drittel der Produktion ausmachen. Von der Produktion im Médoc machen sie
etwa 40% aus (Cru Classé etwa ein 25%).
Cru Artisan: Um den Produzenten einen größeren Spielraum zu gewähren, wurden
gemäß Ministerbeschluss im Jahre 1989 unter der Stufe "Cru Bourgeois" (Bürger)
zwei weitere Stufen geschaffen, nämlich "Cru Artisan" (Handwerker) und "Cru
Paysan" (Bauer). Cru Artisan umfasst derzeit etwa 60 Weine und wurde im Jahre
2002 auch offiziell anerkannt, Paysan jedoch wird in der Zwischenzeit nicht mehr
verwendet.
Sonstige Systeme: Sauternes wurde 1855 neben Médoc als zweiter Bordeaux-Bereich
klassifiziert. Dabei erhielt das Château d´Yquem die nur einmal vergebene
Sonderklasse "Premier Grand Cru Supérieur". Für den Bereich Graves wurde
erstmals 1953 und ergänzt 1959 und 1960 eine eigene Klassifizierung geschaffen.
Für den Bereich Saint-Emilion wurde erstmals im Jahre 1955 ein eigenes System
eingeführt. In den zwei Appellationen Fronsac und Pomerol gibt es (als Ausnahme
im Bordeaux) keine Cru-Klassifizierung.
 
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