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Republik Bulgarien. Hauptstadt: Sofia. Fläche 110'994
km2. Einwohner: 8,2 Mio.
Über die Hälfte des Gebiets von Bulgarien ist hügelig
oder gebirgig. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 480 m. Der Balkan
durchzieht das Land vom Nordwesten bis zum Schwarzen Meer und bildet die
Wasserscheide zwischen der Donau und dem Ägäischen Meer.
Im größten Teil von Bulgarien herrscht ein kontinentales Klima mit kalten
Wintern und heißen, trockenen Sommern. Die durchschnittliche jährliche
Temperaturschwankung ist größer als die der Nachbarländer, da ozeanische
Einflüsse aufgrund der Gebirge kaum zum Tragen kommen. Große Dürre, starke
Fröste, Winde und Hagel schädigen häufig die Ernte. Im Strumatal der
südwestlichen Rhodopen herrscht Mittelmeerklima mit trockenen Sommern und
milden, feuchten Wintern vor; vor sibirischen Kaltlufteinbrüchen, denen
Nordbulgarien im Winter ausgesetzt ist, wird Süd- und Südwestbulgarien durch den
Balkan geschützt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt etwa 13 °C.
Weinbau gab es in diesem Gebiet schon in der Antike,
als thrakische Stämme nördlich und südlich des Balkangebirges wild wachsende
Rebstöcke kultivierten und einen ausgeprägten Kult zu Ehren des Gottes Dionysos
betrieben. Zur Zeit des Römischen Reiches war thrakischer Wein ein begehrter
Exportartikel nach Griechenland, Sizilien, Kleinasien und Ägypten. Diese uralten
Erfahrungen wurden später von den Slawen und Bulgaren übernommen. Im Mittelalter
erreichte der Weinbau durch die Klöster mit ihren weitflächigen Weingärten einen
Höhepunkt. Im Jahre 1393 wurde das bulgarische Reich von den Türken erobert,
aber den Bulgaren in der 500-jährigen Herrschaft der Weinbau dennoch erlaubt
(siehe auch unter Wein-Verbot). Bis zu den 1940er-Jahren wurde Weinbau
ausschließlich von kleinen Weinbauern auf Basis autochthoner Sorten betrieben.
Mit dem zweiten Weltkrieg brach der Weinbau in
Bulgarien zusammen.
Die neuen kommunistischen Herrscher bemühten sich im
Rahmen des Staatsbetriebs Winprom die Weinberge zu bewirtschaften und führten
neue Keltertechnische Maßnahmen ein, sowie neue Rebsorten französischer
Herkunft, wie Merlot und Cabernet Sauvignon.Gegen Ende der 60er Jahren erreichte
der bulgarische Weinbau sein Vorkriegsniveau. Für die sozialistische Republik
war die UdSSR das wichtigste Absatzland. Bulgarien hat sich, wenn auch zaghaft,
bereits zu Zeiten des eisernen Vorhangs dem Westen gegenüber geöffnet, auf
Betreiben von... Pepsi-Cola. Der amerikanische Multi beabsichtigte den
einheimischen Markt zu erobern, wollte jedoch weder in der lokalen Währung noch
in Ersatzteilen bezahlt werden. So fand der bulgarischer Wein wieder erwarten
den Weg auf den amerikanischen Markt.
Zwischen den bulgarischen und amerikanischen Winzern
fand ein technologischer Austausch statt und ein Teil dieser osteuropäischen
Weinberge wurde nach amerikanischen Vorbild modernisiert, was natürlich nicht an
die große Glocke gehängt wurde. Ab 1985, in Folge des von Mikhail Gorbatschew
angeordneten Kampf gegen Alkoholismus, fielen die bulgarischen Exporte, wie die
vieler Länder des Ostblocks, zusammen. Es wurden sogar einige Weinberge
ausgerissen.
Mit der Wende begann die Privatisierung der Landwirtschaft im großen Stil.
Ein Teil der Weinberge geriet in die Hände von
Besitzern, denen oft die finanziellen Mittel oder technische Kenntnisse fehlten,
um den Anforderungen der Rebstöcke gerecht zu werden. Der Weinbau organisierte
sich somit um große Produktionszentren herum, die die Nachfolger der langsamer
privatisierten sozialistischen Genossenschaften waren. Heute wird die
bulgarische Weinproduktion von 130 industriellen Agrarbetrieben dominiert.
Durch intensive Förderung entwickelte sich Weinbau zu
einem enormen Wirtschaftszweig. Bulgarien liegt heute im Wein-Export weltweit im
Spitzenfeld an sechster Stelle, in mehr als 70 Länder werden mehr als
Dreiviertel der Wein-Produktion exportiert.
Die Weinbauregionen
Das gemäßigte Kontinentalklima ist durch heiße Sommer, warme und trockene
Herbste und kalte Winter geprägt und damit ideal für den Weinbau. Es gibt fünf
Haupt-Anbaugebiete, dies sind Dunavksa Raunina (Donauzone) im Nordwesten,
Thrakien im Süden (Tiefebene), Tsjernomorski Raion im Osten
(Schwarzmeer-Gebiet), Jolinaka Na Struma (Struma-Tal) im Südwesten und
Podbalkanski Raion (Balkangebirge) in Zentral-Bulgarien. Es gibt etwas mehr
weiße als rote Rebsorten. Die häufigste Sorte ist die weiße Rkatsiteli, weitere
einheimische sind Dimiat, Gamza (Kadarka), Mavrud,
Melnik, Misket und Pamid.
Davon werden zumeist gleichnamige sortenreine Weine gekeltert, als beste davon
gelten die langlebigen Rotweine aus Mavrud und Melnik. Internationalen Sorten
sind Aligoté, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Gewürztraminer, Merlot,
Muskat-Ottonel, Pinot Noir, Riesling, Rizling (Welschriesling), Sauvignon Blanc,
Tamyanka (Muscat Blanc) und Ugni Blanc (Trebbiano). Im Jahre 2000 wurden von
111.000 Hektar Rebfläche rund 2,1 Millionen Hektoliter Wein produziert. Die
relativ geringe Weinmenge ergibt sich durch die Tatsache, dass in großem Umfang
Tafeltrauben und Destillate erzeugt werden.
Das heute gültige Wein-Gesetz wurde 1978 eingeführt und im Jahre 2000
novelliert. Die Weine werden in die zwei Haupt-Gütestufen Tafelwein (Obiknoveno
Vino = gewöhnlicher Wein oder Trapezno Vino = Tafelwein) und Qualitätswein (Visokokacestveno)
eingeteilt. Die drei Wein-Klassen sind: ohne Herkunfts-Bezeichnung, mit
Herkunfts-Bezeichnung (VDG = Vino Deklariran Geografski) und kontrollierte
Herkunfts-Bezeichnung (Controliran). Letztere entsprechen dem französischen AC
oder dem italienischen DOCG. Derzeit gibt es knapp 30 Controliran-Bereiche
(Appellationen). Auf dem Etikett werden Anbaugebiet, Unterregion und Stadt oder
Gemeinde angeführt. Im Jahre 1985 wurde die neue Stufe Reserve (Kolektzione) für
in Eichenfässern ausgebaute und länger haltbare Weine eingeführt. Weißweine
müssen zumindest zwei, Rotweine zumindest drei Jahre in großen Fässern reifen.
Zu den wichtigsten Produzenten zählen Assenovgrad, Blueridge (mit australischer
Unterstützung gebaut), Boyar Estates (besitzt mehrere Weingüter, Weine werden
unter Domaine Boyar, Blueridge und Vinprom Rousse vermarktet), Damianitza,
Haskovo, Iambol (gehört Boyar), Lovico Suhindol (ältester Betrieb, 1909
gegründet), Pavlikeni (gehört Suhindol), Peruschtitza, Plaven (auch ein
staatliches Weinbau-Institut), Preslav, Rousse (gehört Boyar), Shumen (gehört
Boyar), Slaviantsi und Targovishte.
 
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