Wodka
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In hiesigen Kulturen mag allerdings Stirnrunzeln hervorrufen, dass der glasklare Brand in seiner Heimat - Polen, Russland und der Baltikum streiten sich um das Vorrecht - heute noch gerne unverdünnt zum Essen getrunken wird. Dass dabei nicht unbedingt ein Kater herausschauen muss, liegt an seiner Eigenart, die auch gleichzeitig seine Stärke ist: Der handelsüblich aus Korn hergestellte Schnaps schmeckt sozusagen nach nichts! Dies darum, weil beim Brennen und Filtern fast alle aromatisierenden Begleitsubstanzen eliminiert werden. Im Westen eher bekannt als Grundlage von Cocktails, wird er in Osteuropa also pur getrunken. Einen Mittelweg bilden die aromatisierten Wodkas, z.B. mit Anis, Zitrone, Hanf, schwarzer Johannisbeere, Pfirsich, Pfeffer etc.. Gute aromatisierte Wodkas gibt es von Absolut (z.B. Absolut Citron)
Als “Black Russian”, “Screwdriver” und “Bloody Mary” haben es “Smirnoff”, “Stolichnaya”, “Finlandia”, "Absolut", "Puschkin" und Konsorten in den Cocktailhimmel geschafft. Die "Bloody Mary" (Bild links) - ein Getränk aus Wodka, Tomatensaft und Tabasco das sich seit vielen Jahren an der "blutigen" Maria I. Tudor inspiriert – wurde erstmals in Europa etwa um 1925 in Harry's New York Bar in Paris durch "Pete" Petoit gemixt. 1930 kehrte er nach New York zurück und offerierte im King Cole Room des St. Regis Hotels seine neue Schöpfung und verhalf ihr so zum Durchbruch.
Herstellung
Der traditionelle Rohstoff für die russische
Wodkaproduktion ist Roggen. Daneben kann auch
Roggen (Secale cereale L.) stammt vermutlich aus Asien
und ist eine junge Getreideart. Die ersten mitteleuropäischen Körnerfunde von
Kulturroggen stammen aus der Hallstattzeit (1000-500 v.Chr.). Neue Hybridsorten
zeichnen sich durch lange dichte Ähren aus, die mit gleichmässig grossen Körnern
besetzt sind. Sie bringen durchschnittlich 20% mehr Ertrag als herkömmliche
Landsorten. Roggen ist recht anspruchslos, zeichnet sich durch gute
Kälteresistenz aus und wächst auch auf sandigen Böden noch gut. Die Pflanze kann bis
2m hoch werden. In früheren Zeiten war den Bauern auch eine reichliche
Strohernte willkommen.
Die Herstellung des Wodkas durchläuft folgende Schritte: Für die Herstellung von Selbstgebranntem braucht man keine besonderen Kenntnisse. Sechs Kilogramm Zucker und 200 Gramm Hefe werden in dreissig Liter warmem Wasser aufgelöst und gut durchgerührt; für den Duft gibt man Dill zu; das Ganze an einem warmen Ort sechs bis sieben Tage ruhen lassen. Nun wird dieses Vorprodukt mit Hilfe einer einfachen Vorrichtung, bestehend aus einem kleinen, einem grossen Topf und einer Emailleschüssel, destilliert. In den grossen Topf wird die Maische gegeben. In diesem Gefäss wird irgendwie der kleinere Topf befestigt, und alles mit der mit kaltem Wasser gefüllten Schüssel abgedeckt. Das Unterteil der Schüssel sollte sanft gerundet sein und in den kleinen Topf passen. Alles wird erhitzt. Im kleinen Topf sammelt sich das destillierte Fertigprodukt. So erhält man sechs Liter Selbstgebrannten mit einem Alkoholgehalt von etwa sechzig Prozent. (Bitte verstehen Sie, dass wir für Ihre Schwarz- oder sonstigen Brennversuche keine Verantwortung übernehmen können...Bitte setzen Sie sich mit einem Fachmann in Verbindung.)
Wissenswertes über Wodka
Wodka ist heute der meistverkaufte Branntwein der
Welt. Man geht davon aus, dass Wodka schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts in
Russland gebrannt worden ist. Moskauer Mönche des heute nicht mehr existierenden
Tschudow-Klosters hatten erfolgreich die von ihren französischen und
italienischen Kollegen erfundene Destillation klarer Schnäpse kopiert. Die
Herstellung des Wodkas als Kornbrand wurde erstmals im Jahre 1474 dokumentiert.
Dem widerspricht allerdings der Moskauer Bürgermeister Luschkow. Er hat im Juli
2002 angekündigt, dass der Wodka erst seit 1503 bekannt sei. Gerade rechtzeitig,
um den 500. Geburtstag zu feiern... Das Lustige an diesem Jubiläum ist, dass der
Bürgermeister vollkommen willkürlich ausgerufen haben soll: «500 Jahre Wodka»
klingt einfach gut. Bald soll in Moskau das grösste aller Wodkamuseen eröffnet
werden, gleich neben dem berühmten Wodka-Werk Kristall, dessen Produkte für ein
Zehntel aller Steuereinnahmen der Aber die heutige Art des russischen Wodkas wurde von Dmitry Ivanivitch Mendeleyev, dem Schöpfer der periodischen Tabelle, begründet. Er entdeckte, dass die ideale Proportion des Wassers und des Spiritus im Wodka bei 40 Prozente liegen sollte. Im Jahr 1894 patentierte die russische Regierung den Wodka Mendeleyevs, und nannte ihn "Moskauer Besonder ". Man trank den Wodka mit “Charkas” (kleines Weinglas), das heisst ungefähr 150 Gramm auf einmal. Zehn “Charkas” bedeutete eine Stopa. Der Wodka wurde nach Gewicht und nicht nach Volumen verkauft. Heute trinkt der Russe in 100-Gramm-Portionen; mit drei Schlucken leert er das Glas; zu essen ist ihm vor, während und nach dem Trinken verboten; den Wodka mit etwas anderem zu mixen, gilt als Frevel. Um 1820 wurde ein Familienunternehmen zur industriellen Wodkaherstellung gegründet, das zum Synonym für diesen Branntwein wurde - Smirnoff. Es liess auf einem Jahrmarkt ein Trinkzelt aufstellen, in dem die Kellner als Bären verkleidet waren. Hinter der Theke befand sich ein richtiger Bär der Wodka auf einem Tablett servieren konnte. Als der Bär dem Zaren Alexander III. ein Glas gut gekühlten Wodka anbot, war dieser über den Einfall so belustigt, dass er die Firma Smirnoff zum Hoflieferanten ernannte. Der Wodka gibt, und der Wodka nimmt. Mit der Steuer, die die berühmte Firma Smirnoff an den Staat für die Erlaubnis zur Wodka-Herstellung zahlte, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die halbe russische Armee unterhalten. Während des 2. Weltkrieges gingen hingegen Sowjetsoldaten erst nach Einnahme der »Frontnorm«, das heisst 100 Gramm Wodka, zum Angriff über. In den USA und auch dem Gros der übrigen westlichen Welt gibt es Wodka erst seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Familie Smirnoff mit ihrem Rezept in die USA immigrierte und dort wieder eine Destillerie aufbaute. Am Ufer der Wolga steht Russlands ungewöhnlichste Wodka-Brennerei. Ingenieure haben ein Atomkraftwerk zur Schnapsbrennerei umgebaut. "Wir stellen den Wodka von A bis Z hier her", sagt der Chefingenieur in der Abfüllstation, der einstigen Halle zur Wiederaufbereitung von verstrahltem Kühlwasser. Statt Atomstrom produziert das Kraftwerk Nischni Nowgorod unter der gleichen Bezeichnung 40-prozentige "Brennelemente" für den grossen russischen Durst.
Das "Wässerchen" - Wodka - hält heute noch die
russischen Gemüter und Kreislauf am Der russische Historiker Nikolai Kostomarow beschreibt einen Aufstand der armen Moskauer Bevölkerung Anfang des 17. Jahrhunderts. Während der Unruhen brach Feuer aus, das schnell auch die grösste Trinkstube in Flammen aufgehen liess. Das Volk rannte in Scharen herbei, schöpfte Wodka mit Mützen, Stiefeln und anderem Gerät, um ihn zu trinken, bevor er verbrannte. Niemand versuchte, den Brand zu löschen. Überall in der Stadt lagen die Aufständischen volltrunken auf der Strasse. Da strenger Frost herrschte, mussten die Machtorgane am nächsten Morgen nur noch die Erfrorenen auf die Pferdeschlitten werfen und abtransportieren. Die Hälfte der Stadt war abgebrannt. Das war das Ende des Aufstandes.
Im neu eröffneten Museum für russischen Wodka in Sankt
Petersburg können Besucher mit Hilfe von Dokumenten und Plakaten, dem Nachbau
einer mittelalterlichen Wodka-Destillerie und allerlei Kuriosa in Flaschenform
der Rolle des Wodkas nachspüren.
Kontakt:
Wodkamuseum
Wer war zuerst: Polen oder Russland? Noch wird von Polen Ursprung und Einführung des Wodkas reklamiert. Polnischer Wodka - wódka wyborowa oder zubrówka mit dem grünen Bisonhalm - ist auf der ganzen Welt bekannt. Ob das russische Nationalgetränk erstmals in Russland oder Polen gebrannt wurde, wird wohl immer eine Streitfrage bleiben - denn das Wort Wodka, "Wässerchen" existiert seit Jahrhunderten in beiden Sprachen. Man trank zu dieser Zeit einen farblosen, vergleichbaren Schnaps - ein sogenanntes "Zhiznennia voda", was mit "Lebenswasser" übersetzt werden kann. Dieser Begriff wurde liebevoll mit "Vodka" oder "Wodka" abgekürzt und könnte zu der heutigen Verwirrung beigetragen haben. Die Polen dürfen ihre Schnäpse nicht mehr «Original Wodka» nennen. Noch zu Zeiten des Warschauer Pakts bestimmte das sowjetische Wirtschaftsministerium, dass der Wodka russisch zu sein habe – dank eines Gutachtens des Historikers William Pochljobkin. In seinem Standardwerk «Die Geschichte des russischen Wodkas» schrieb er, dass der Wodka erstmals zwischen 1428 und 1478 in Russland gebrannt worden war. Die Sowjets glaubten ihm gerne, obwohl vieles dafür spricht, dass schon im 13. Jahrhundert bei Krakau Wodkaartiges gebrannt wurde. Gesichert scheint, dass weit vor 1550 in Krakau Schnaps produziert wurde. In Poznan soll es um das Jahr 1580 knapp 500 Brennereien gegeben haben. Später profilierte sich Gdansk. Dort hatten holländische Einwanderer die Technik eingeführt. Einer von Ihnen, Ambrosius Vermoellen aus Lier, stellte einen ganz speziellen und damals sehr geschätzten Liqueur mit dem Namen "LACHS" her. Die Warschauer Wodkafabrik "Koneser" im Stadtteil Praga besteht seit 1897 und produziert verschiedene Wodkasorten: Zum Beispiel die Marken Metropolis, Warszwaska, Legenda, Planet oder Koneser. Nach Voranmeldung besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch die Fabrik teilzunehmen. Bei der Fabrik gibt es einen kleinen Laden, der die verschiedenen Wodkasorten bis zu 20 Prozent günstiger als im polnischen Einzelhandel verkauft. Unverbindliche Preisbeispiele: Bycza kostet etwa 3,30 Euro (0,5 Liter) und Metropolis kostet 9,00 Euro (0,7 Liter).
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